Liebe Motte

Bald wirst du zwei Jahre alt und bist doch nach wie vor unser Baby – obwohl du so selbstständig und selbstbewusst bist, dass man von außen kaum auf die Idee käme, du könntest noch ein Baby sein. Kein Klettergerüst ist dir zu hoch, kein Zimmer zu dunkel, kein Wort zu schwierig – du probierst alles aus. Und bringst dich und deinen kleinen Körper dabei manchmal ganz schön in Gefahr. Du bist das Kind, bei dem mir bislang am allermeisten das Herz in den Bauch gerutscht ist: Du hast Muggelsteine verschluckt und wärst fast daran erstickt, du bist im Kindergarten so bös gestürzt, dass wir mit dir in die Notaufnahme zum Nähen mussten – und vom Fieberkrampf rede ich lieber nicht einmal. Nach wie vor schläfst du rekordverdächtig wenig. Das war schon so, als du ein wirkliches Baby warst. Dabei bist du aber unglaublich wach, aufmerksam und gut gelaunt, so dass ich fürchte, du brauchst einfach nicht mehr Schlaf. Als Dritte im Bunde bist du ein klassisches „Me too“-Kind. Alles, was die Großen machen, essen, spielen, sagen, tust du auch. Sagst dazu „Ich auch“. Und schneidest mit Bastelscheren Knäckebrot durch, putzt mit der Toilettenbürste Fenster und cremst dich mit Mamas Duschlotion von Kopf bis Fuß ein, um den Schmier anschließend mit Feuchttüchern zu beseitigen. Du schmust gern – mit uns allen. Und verteilst freigiebig Küsschen an uns und deine Geschwister. Zwar bist du die Kleinste, das hält dich aber nicht davon ab, für uns alle zu sorgen, dich darum zu kümmern, dass wir immer Schuhe tragen, wenn wir hinausgehen, dass wir pünktlich zum Essen kommen „Pauja, Honi Essen fertich!“, uns die Hände waschen und unseren Mittagsschlaf halten. Zu deinen Lieblingsbeschäftigungen zählen neben genüsslichem Essen vor allem Buchanschauen (deine Geschwister schaffen abends eine Geschichte oder ein Buch, du schaffst mühelos sieben), Dinge verstecken und neuerdings Quatsch machen und selbst am lautesten darüber lachen. Du warst und bist eine kleine Strahlemaus, und selbst die Mini-Wutausbrüche, die du manchmal bekommst, wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es dir vorstellst, sind so schnell vorbei wie ein Regenschauer an einem heißen Sommertag. Kleines Kind, du hast uns rund gemacht!

kindintasche

Magie!

Dass Deutschland am Ende die WM nicht gewonnen hat, liegt an Paula. Die hat nämlich nicht genug Daumen gedrückt. Wie sie mir gestern erklärte, hat sie nach dem Argentinien-Spiel damit aufgehört, für Deutschland zu hoffen, „weil doch der Maradonna, der von den Argentiniern, nach dem Spiel so dolle traurig war und geweint hat, da wollte ich nicht noch mehr Trainer traurig machen!“

Spieglein, Spieglein an der Wand …

Matilda hat im Spiegel letzte Woche ihr Ebenbild erkannt und sehr intensiv die Begegnung mit dem Spiegel erkundet und sich daran erfreut. Nase, Augen, Bauchnabel – alles wurde im Spiegel noch einmal entdeckt.

Grimassen schneiden, Spielzeug vor den Spiegel schleppen, Papa und Mama zum Bestaunen dieser tollen neuen Sache in unserem Haus mitschleppen – wir können uns nicht erinnern, dass die beiden anderen in diesem Maße vom Spiegel und der Erkenntnis des eigenen Selbst fasziniert waren. Am allerwitzigsten war, dass sie irgendwann auf ein Paket geklopft hat und zum Spiegel gelaufen ist, um an ihm zu lauschen, ob es darin auch klopft – und irgendwann verschüchtert hinter den Spiegel schaute, ob da auch wirklich nichts war als die Wand …

Spieglein, Spieglein